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C/O Berlin Talent Award

Stefanie Moshammer . Not just your face honey

Eintritt 10/6 Euro 

Öffentliche Führungen
Samstag 14 Uhr, 16 Uhr (deutsch) und 18 Uhr (englisch)

Sonntag 14 Uhr und 16 Uhr (deutsch)


„AUSTRIA GIRL”, 2411 Mason Avenue, Las Vegas, Nevada – ein Brief, schreibmaschinengetippt, 35 Zeilen, eine bizarre Liebeserklärung eines Fremden. Eine Woche zuvor klopfte ein Mann namens Troy an die Tür des Hauses mit genau dieser Anschrift, in der Hoffnung seine Ex-Freundin anzutreffen. Stattdessen begegnete ihm Stefanie Moshammer. Sie ist Fotografin aus Österreich und für drei Monate in den USA, um an ihrem Fotoprojekt Vegas and She (2014/15) zu arbeiten. Beide tauschten nicht mehr als eine Handvoll Sätze aus und unterhielten sich nicht länger als fünf Minuten. Diese flüchtig-banale Begegnung ist dennoch Anlass für den Liebesbrief und markiert den Beginn der bildnerischen Erzählung der Arbeit I Can Be Her (2015) von Stefanie Moshammer. Die Themen wie Nähe und Fremde, Angst und Anziehung, Wirklichkeit und Fiktion kreisen um diesen realen und gleichzeitig imaginierten Mann, der sie bittet, mit ihm sein Leben zu teilen. Dem Wahn setzt sie ihre Fotos entgegen und geht selbst auf Recherche – im Internet und auf den Straßen an entlegenen Orten sowie in den Wüstenlandschaften von Las Vegas. Es ist ihr Versuch, diesen Unbekannten zu ergründen und dem Bild, welches er sich von ihr gemacht hat, ihr eigenes von ihm entgegenzusetzen. Zugleich visualisiert die Werkserie auch eine intensive Auseinandersetzung mit Sujets wie Liebe, Illusion, Identität, Kontrolle und Überwachung.

Stefanie Moshammers Fotografie ist häufig ein Gefüge aus unterschiedlichen Medien, mit der sie die Komplexität unserer Wahrnehmung beleuchtet. Basierend auf vorhandenem Material entwickelt sie eigene Fotografien, kartiert Bilder über Google Maps und verwendet Film-Footage, aber auch Video und fiktive Aufnahmen sowie Bilder aus ihrer Imagination. Damit schafft Stefanie Moshammer nicht nur neue Formen der Dokumentation, sondern vereint fiktionale mit erzählerischen Momenten und berührt so grundlegende Themen der Fotografie: Was ist Realität? Was ist Fiktion? Und welche Wahrheiten vermittelt das fotografische Bild?

Stefanie Moshammer ist Preisträgerin des C/O Berlin Talent Award 2018. Sie erhält ein Preisgeld von 7.000 Euro und wird mit der Einzelausstellung Stefanie Moshammer . Not just your face honey bei C/O Berlin geehrt. Zur Ausstellung erscheint eine begleitende Publikation bei Spector Books, Leipzig, herausgegeben von Ann-Christin Bertrand für die C/O Berlin Foundation, mit Texten des diesjährig ausgezeichneten Kritikers Andreas Prinzing.

Stefanie Moshammer (*1988 in Wien) lebt und arbeitet in Wien. Nach ihrem Abschluss an der Modeschule der Stadt Wien absolvierte sie an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz ihren Bachelor of Arts in Visuelle Kommunikation und Fotografie sowie ein Fotojournalismus-Studium an der Danish School of Media and Journalism in Aarhus. Stefanie Moshammer erhielt zahlreiche Preise, u.a. eine Nominierung im Rahmen des Festivals Les Rencontres d’Arles, die Auszeichnung als Talent des Foam sowie eine Nominierung zum ING Unseen Talent Award der Unseen Photo Fair in Amsterdam. Ihre Fotografien erscheinen in zahlreichen Magazinen, wie i-D, ZEIT Magazin, New York Magazine, FOAM Talent Issue, M Le magazine du Monde, Purple Fashion Magazine, The Guardian, DAZED, uvm. und wurden in den jüngsten Publikationen Land of Black Milk (Skinnerboox - Publishing, Jesi, 2017) und Vegas and She (2015 Fotohof edition, Salzburg, 2015) veröffentlicht.

Andreas Prinzing (*1980 in Mainz) studierte Kunstgeschichte und arbeitete an der Kunsthalle Mainz und am Museum Ludwig, Köln. Seit 2015 ist er u.a. als Assistent des Ausstellungsmachers Kasper König tätig und war in die Planung der Skulptur Projekte Münster 2017 involviert. Mit einem Bein weiterhin im Rheinland, betreut er parallel die Peill-Stiftung am Leopold-Hoesch-Museum in Düren, wo er zuletzt Ausstellungen mit Haris Epaminonda und Rana Hamadeh kuratierte. Seine Texte sind u.a. erschienen in Eyes on the City: Urbane Räume in der Gegenwartsfotografie (Salzburg, 2012), Unbeugsam und Ungebändigt – Dokumentarische Fotografie um 1979 (Köln, 2014) und Skulptur Projekte Münster 2017 (Leipzig, 2017). Er schreibt regelmäßig für Camera Austria. Andreas Prinzing lebt und arbeitet in Berlin.