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Nobuyoshi Araki

Impossible Love – Vintage Photographs

Gespreizte Schenkel einer jungen Frau, zugeknöpfte Berufskleidung auf der Straße – der Kontrast von intimer privater Atmosphäre und Momentaufnahmen namenloser Passanten ist ein früher Kommentar zur Heterogenität der japanischen Gesellschaft. 1973 veröffentlicht der japanische Fotograf Nobuyoshi Araki eine Serie aus Bildpaaren über das Leben in Tokio, die er von 1969–73 fotografiert und als Fotobuch zusammenfasst. In ihrer Authentizität decken diese frühen Beispiele aus seinem Werk eine dysfunktionale Gesellschaft auf und hinterfragen die soziale Verantwortung und moralische Haltung ihrer Mitglieder. 

Nobuyoshi Araki gilt weltweit als einer der einflussreichsten und meistdiskutierten Künstler, der sich mit Nacktheit, Sexualität und Körper auf radikal-realistische Weise auseinandersetzt. Dabei ist es sein distanzloser, vertrauter Blick auf seine Objekte und Situationen, der die Betrachter*innen immer wieder irritieren. Die extreme Nähe und Vertrautheit zu den dokumentierten Personen und Situationen machen Arakis Fotografien bis heute einzigartig und revolutionär. Im Gegensatz zu klassischen Fotojournalist*innen, die von außen auf eine ihnen fremde Welt blicken, nimmt Araki nicht nur Anteil am Leben seiner Protagonist*innen, sondern ist vielmehr jenseits jeglichen Voyeurismus selbst elementarer Teil seiner Bilder. Kaum ein Fotograf hat diese direkte und intensive Bildsprache im Spannungsverhältnis zwischen klassischer Bildkomposition und besonderer Themenwahl erreicht wie Araki, die gleichermaßen berührt und verstört. Er gilt zusammen mit den US-amerikanischen Fotograf*innen, wie Nan Goldin und Larry Clark sowie den aus der Ukraine stammenden Boris Mikhailov als Wegbereiter einer intimen subjektiven Fotografie. 

C/O Berlin zeigt in einer einmaligen Zusammenstellung und erstmals in Europa die Ausstellung Nobuyoshi Araki . Impossible Love—Vintage Photographs. Die Tokyo-Serie aus Arakis Frühwerk werden mit jüngsten Polaroid-Collagen und neu entwickelten Dia-Projektionen kombiniert – hier wie dort geht es um die Gegensätze zwischen anonym und vertraut, öffentlicher und privater Lebenswelt, Wirklichkeit und Traum. Zur Ausstellung erscheint eine begleitende Publikation im Steidl Verlag, Göttingen. 

Nobuyoshi Araki (*1940 in Tokio) arbeitet nach seinem Studium der Fotografie und Filmkunst an der Tokioter Chiba University zunächst in der Werbebranche und widmet sich erst ab Mitte der 1960er-Jahre ausschließlich der Fotografie. Das Spektrum seines Werks reicht von erotischen Frauendarstellung über artifizielle Stillleben, Pflanzenfotografien, reportagehaften Alltagsdarstellungen und Architekturaufnahmen bis hin zu sehr persönlichen, tagebuchartigen Fotografien von sich und seiner verstorbenen Frau Yoko. International bekannt wird Nobuyoshi Araki jedoch als Fotograf von Akten und erotischen Szenen. Rund 400 Buchpublikationen begleiten die Karriere. Seine Werke wurden in unzähligen internationalen Ausstellungen präsentiert und sind Teil bedeutender Sammlungen weltweit. Nobuyoshi Araki lebt und arbeitet in Tokio.