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C/O Berlin Talent Award 2020

Anna Ehrenstein

C/O Berlin freut sich den diesjährigen C/O Berlin Talent Award an die deutsch-albanische Multimedia-Künstlerin Anna Ehrenstein zu vergeben. Die ausgezeichnete Arbeit Tools for Conviviality wird in einer Einzelausstellung vom 24. Oktober 2020 bis 23. Januar 2021 bei C/O Berlin im Amerika Haus in der Hardenbergstraße 22–24, 10623 Berlin präsentiert und wird von einer Publikation begleitet. Die vier Künstler*innen Laura Ben Hayoun (FR), Esther Hovers (NL), Alexander Rosenkranz (DE) und Alina Schmuch (DE) sind für die Shortlist 2020 nominiert.

Anna Ehrensteins Projekt Tools for Conviviality hat die Expertenjury durch die Verwendung, Thematisierung und Kritisierung neuer digitaler Formen überzeugt. Die Künstlerin reflektiert in ihrem Werk die Medien unserer Zeit und problematisiert soziokulturelle Folgen der Digitalisierung im globalen Kontext mit großer Leichtigkeit. Mit ihrem im Senegal entstandenen Projekt rückt Ehrenstein an die Stelle des dokumentarischen Blicks von Außen eine Methode der kollektiven Recherche am fremden Ort. Lokale Kreative werden eingebunden und multiplizieren die europäische Perspektive auf Technologien und Lebensentwürfe im westafrikanischen Raum. Tools for Conviviality entstand in Zusammenarbeit mit Awa Seck, Don Kafele, Lydia Likibi, Saliou Ba, Nyamwathi Gichau.

Seit 2006 fördert C/O Berlin den künstlerischen und wissenschaftlichen Nachwuchs. Mehr als 80 Talente wurden seither mit Ausstellungen und Publikationen einem breiten Publikum vorgestellt. Auch im Jahr 2020 ist das Leitmotiv des C/O Berlin Talent Award New Documentary Strategies. Ziel ist es, eine kritische Betrachtung traditioneller dokumentarischer Narrative und eine mediale Erweiterung in Museen und Galerien anzuregen und zu fördern. Der C/O Berlin Talent Award ist ein in Europa einmaliger Förderpreis, der Praxis und Theorie gleichermaßen auszeichnet. Er wird jährlich in den Disziplinen künstlerische Fotografie und fototheoretischem Schreiben ausgelobt. Die Fotokünstler*innen erhalten eine Einzelausstellung mit ihrer prämierten Arbeit sowie eine ausstellungsbegleitende Publikation mit den Texten der parallel ausgezeichneten Fototheoretiker*innen. Ein Artist Talk, den die Preisträger*innen gemeinsam über die ausgestellte und publizierte Arbeit führen, rundet die Zusammenarbeit von Theorie und Praxis ab.

Die Expertenjury, Eva-Maria Fahrner-Tutsek (Vorstandsvorsitzende, Alexander-Tutsek Stiftung, München), Florian Ebner (Leiter der Abteilung Fotografie, Centre Pompidou, Paris), Michael Mack (Verleger und Gründer, Mack Books, London), Taiyo Onorato (Künstler, Zürich und Bovec, Slovenien), Kathrin Schönegg (Kuratorin, C/O Berlin) und Trine Skraastad (Bildredakteurin, u. a. bei Dummy, Fluter, Die Dame, Berlin) hat die diesjährige Gewinnerin und die Shortlist nominiert. Die Arbeiten der Shortlistkandidat*innen werden in der Sommerausgabe der C/O Berlin Zeitung vorgestellt und in Kooperation mit Der Greif online präsentiert.

Gewinnerin
Anna Ehrenstein (*1993, AL/DE) erforscht den Austausch von Mensch und Objekt im digitalen Zeitalter. Sie hat Fotografie und Medienkunst an der Fachhochschule Dortmund studiert sowie ein Postgraduiertenprogramm für Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien bei Mischa Kuball und Julia Scher durchlaufen. Ihre Arbeiten waren in internationalen Gruppenausstellungen zu sehen wie u.a. dem Format Situations des Fotomuseum Winterthur, CH (2019) dem Fotofestival Les Recontres d’Arles (2018) und der Triennale für Fotografie in Hamburg (2018).
C/O Berlin wird ihre erste institutionelle Einzelausstellung präsentieren. Ehrenstein war für diverse Preise nominiert und erhält aktuell ein DAAD Stipendium für ein Rechercheprojekt in Bogota, Kolumbien. Anna Ehrenstein lebt in Berlin, Köln und Tirana.

Shortlist
Laura Ben Hayoun (*1984, FR) befragt in ihrer Arbeit Grenzen, Migration und imaginäre Gebiete. Sie hat in Lyon Visuelle Antrophologie studiert, bevor sie Masterstudiengänge in Fotografie und zeitgenössischer Kunst in Paris anschloss. Ihre Arbeiten wurden in der Tate Modern, London (2014), auf dem Festival de la photographie méditerranéenne in Nice (2017) und der Outono Fotográfico, La Coruña, Spanien (2017) gezeigt. Sie hat verschiedene Preise erhalten und war mit dem eingereichten Projekt Finalistin des Unseen Dummy Awards 2019. Laura Ben Hayoun lebt in Paris und arbeitet derzeit in Alger (Algerien) und Eriwan (Armenien).

Esther Hovers (*1991, NL) Werk kreist um die Frage, wie Macht, Politik und Kontrolle durch Stadtplanung und die Benutzung des öffentlichen Raums bedingt sind. Sie hat an der Royal Academie of Arts in The Hague Fotografie studiert und bei der Aperture Foundation in New York City (2019), dem Lianzhou Photo Festival in China (2018) und dem FOAM, Amsterdam (2017) ausgestellt. 2017 waren ihre Arbeiten Teil der Ausstellung WATCHED! Surveillance, Art & Photogaphy bei C/O Berlin. Hovers war für diverse Preise nominiert und hat 2019 eine artist-in-residence bei der NARS Foundation in Brooklyn, New York, erhalten. Esther Hovers lebt in Den Haag (Niederlande).

Alexander Rosenkranz (*1987, DE) sagt der Fotografie als reinem Dokument ab und der bildnerischen Kraft der Fotografie als Material zu. Er hat 2019 unter Joachim Brohm an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig sein Diplom in Bildender Kunst abgeschlossen und ist dort aktuell Meisterschüler bei Ludovic Balland. Seine Arbeiten wurden u. a. auf dem f/stop-Festival in Leipzig (2016), im FOAM, Amsterdam (2017) und in der Photographischen Sammlung, SK Stiftung Kultur, Köln (2017) gezeigt. 2019 war er Finalist im Bookcall #1 des Institut für Buchkunst, Leipzig. Alexander Rosenkranz lebt in Berlin und Leipzig.

Alina Schmuch (*1987, DE) untersucht in ihrem Werk die Wechselwirkungen zwischen Bildmedien und Realität. Sie hat an der Kunstakademie Münster freie Kunst und an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe Medienkunst studiert. Ihre Arbeiten wurden u. a. im Künstlerhaus Bremen (2018), im Museum für Photographie Braunschweig (2018) und dem ZKM in Karlsruhe (2016) gezeigt. Ihre Auszeichnungen umfassen den Dokumentarfotografie Förderpreis der Wüstenrotstiftung (2015/16) und das Mak Schindler Stipendium in Los Angeles (2017). Alina Schmuch lebt in Berlin.