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Gundula Schulze Eldowy

Die frühen Jahre . Fotografien 1977 bis 1990

„Berlin hat mich zur Fotografin gemacht.“ Gundula Schulze Eldowy

Gnadenlos verschluckt Berlin seine Bewohner. Schicht für Schicht deckt die Stadt den Mantel des Vergessens über sie. Die Zeit geht vorüber und reißt alles mit sich fort. Gundula Schulze Eldowy stellt sich mit ihrer Kamera den Strom der Zeit entgegen. Jahr für Jahr streift sie scheinbar absichtslos, jedoch mit klarem, wachem Blick durch das Berliner Scheunenviertel und dokumentiert Einsamkeit, Tristesse, Elend und Momente des Glücks. Ob Künstler, Arbeiter, Flüchtlinge oder Träumer – sie ist von der Mischung der Millieus und der Härte der Stadt gleichzeitig fasziniert und abgestoßen. In ihren schonungslosen Fotografien gleicht Berlin einer untergegangenen Stadt, einer archäologischen Stätte mit manchmal unerwartetem Zauber. Gleichzeitig sind diese urbanen Streifzüge nichts anderes als Exkursionen in die innere, unbekannte Welt der Künstlerin. Bei genauerem Hinsehen erweisen sie sich deshalb als Metaphern einer Gesellschaftskritik, die nicht nur die DDR, sondern die ganze Zivilisation im Auge hat.

Die harten, zivilisationskritischen Bilder, die Gundula Schulze Eldowy zwischen 1977 und 1990 vor allem in Ostberlin, später aber auch in Dresden und Leipzig aufgenommen hat, gehen an die Grenzen des Erträglichen. Sie zeugen von Zuneigung, aber ihnen fehlt jede Scham. Die Fotografin lebt mehrere Jahre Tür an Tür mit den Porträtierten, hört ihnen nächtelang zu und versetzt sich in ihre Welt hinein. Welche Schicksalschläge haben sie erlitten? Auf der Suche nach Antworten erlebt sie deren Geschichten neu und wird so selbst ein Teil von ihnen. Durch ihre Direktheit und ihr tiefes Verständnis jenseits aller moralischer Bewertungen dringt Gundula Schulze Eldowy Stück für Stück in die Eingeweide der Zivilisation vor. Ihr Dialog mit verschiedenen Lebenswelten spiegelt sich auch in der bewussten Zusammenstellung ihrer Bildzyklen wider. So öffnen sich zusätzliche Bedeutungsebenen, entstehen neue Spannungsfelder.