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Gregory Crewdson

In a Lonely Place

Namenlose Suburbs in den USA. Wohnungen sind vermüllt, Straßen leer gefegt, Bahngleise zugewachsen und verfallene Häuser in Flammen. Die Spuren der Industrialisierung und Zivilsation wirken wie Ruinen. Gewaltig bemächtigt sich die Natur dieser Orte, doch weder idyllisch noch romantisch. Menschen stolpern orientierungslos und fast unbeteiligt durch eine bedrohliche Szenerie. Ohne Blickkontakt wendet sich jeder vom anderen ab und reagiert nicht auf diese apokalyptische Sprachlosigkeit. Auch wenn keine unmittelbare Gewalt sichtbar ist, ist sie doch allgegenwärtig spürbar. Leere, Einsamkeit, Statik und Paranoia – die perfekt arrangierten Fotografien von Gregory Crewdson kehren die Schattenseiten des amerikanischen Traums zwischen Normalität und Grauen von Innen nach Außen. Im Unterschied zum klassischen Thriller machen die Menschen auf Gregory Crewdsons detailreichen Tableaus aus der Serie „Beneath the Roses“ keine Anstalten, etwas zu ändern, sich zu wehren oder ihr Leben zu retten. Teilnahmslos, leer und ferngesteuert haben sie sich mit dem Mysteriösen des Alltags abgefunden. Diese umgreifende Entfremdung wirkt in der hyperrealistischen Darstellung umso irritirender und beunruhigender. So werden der bürgerliche Lebensentwurf und die typische Vorstadtidylle als beklemmende Vorhölle enttarnt. Nicht der soziale Aufstieg ist in Szene gesetzt, sondern die verdrängten seelischen Abgründe. In den rätselhaften Bildern ist das Unheimliche nichts Neues oder Fremdes, sondern das Vertraute von nebenan.

Die großformatigen Fotografien sind inszenierte Anti-Narration. Anfang und Ende der Erzählungen liegen außerhalb des Bildauschnittes, so dass der Inhalt sich stets in einem Schwebezustand befindet, ohne je aufgelöst zu werden. Jeder Anhaltspunkt erweist sich als trügerisch. Mit diesem Bekenntnis zu breit angelegter Erzählkunst entwickelt Gregory Crewdson die Traditionslinie der inszenierten Fotografie weiter, die sich seit Cindy Sherman und Jeff Wall als eine der wichtigsten Ausdrucksformen gegenwärtiger Fotokunst erweist. Sein Werk ist zudem stark geprägt von der Bildwelt des amerikanischen Hollywoodkinos, insbesondere von der Thematik und Bildsprache David Lynchs und Steven Spielbergs.