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Dokumentarfotografie Förderpreise 05/06 der Wüstenrot Stiftung


Von fremden Menschen und Orten erzählen die fotografischen Arbeiten von Verena Jaekel, Linn Schröder, Yvonne Seidel und Tobias Zielony, die sich mit Hilfe der Dokumentarfotografie Förderpreise der Wüstenrot Stiftung auf Entdeckungsreise realer Lebenswelten begeben haben.

Mit ihrem Förderprogramm zur Dokumentarfotografie richtet sich die Wüstenrot Stiftung seit 1994 an Fotografen/innen, die sich mit Themen gesellschaftlicher Realität beschäftigen und in diesem Prozess mit zeitgenössischen Mitteln die Definition des Abbildungscharakters der Fotografie reflektieren. In enger Zusammenarbeit mit dem Museum Folkwang in Essen werden alle zwei Jahre vier gleichwertige Preise an Absolventen/innen deutscher Hochschulen vergeben. Der Förderpreis ermöglicht die Finanzierung eines neuen Projekts im Anschluss an das Studium und bietet die Gelegenheit, die Arbeitsergebnisse in Ausstellung und Katalog der Öffentlichkeit vorzustellen.


Verena Jaekel wurde 1980 in Bergisch Gladbach geboren und machte 2004 den Abschluss zur staatlich geprüften Fotodesignerin am Lette-Verein in Berlin. Sie lebt in Berlin. In ihrer Arbeit “Neue Familienportraits – New Family Portraits” stellt Verena Jaekel deutsche und US-amerikanische Familien mit gleichgeschlechtlichen Elternpaaren vor. Die Fotoserie greift die lange Tradition bildnerischer Darstellung von Familien auf. Dabei sollen die Portraits nicht nur die Definition des Familienbegriffs erweitern, sondern auch stereotype Sehgewohnheiten bewusst machen und so eine Reflexion über die Darstellungsformen des Mediums Fotografie anregen. Filmisch aufgezeichnete Interviews mit einigen der portraitierten Elternpaare ergänzen die Präsentation.

Linn Schröder wurde 1977 in Hamburg geboren. Sie studierte Kommunikationsdesign, Fotografie und visuelle Kommunikation in Hamburg und Zürich. Sie lebt in Hamburg. Die Serie “I found these figures on a trip” ist auf verschiedenen Reisen der Fotografin entstanden. Linn Schröder sucht in ihren Fotografien nach dem theatralischen Moment alltäglicher Szenen und findet Bilder, die von der Dramatik moderner Geschichten Ahnung geben. Dabei verfolgt sie keinen explizit narrativen Ansatz, sondern konfrontiert den Betrachter vielmehr mit Motiven, die vielleicht elliptisch eine Erzählung andeuten, meist aber in poetischer Schönheit ein Geheimnis wahren.

Yvonne Seidel wurde 1972 in Böblingen geboren und studierte Fotografie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Sie lebt in Stuttgart. In ihrer Arbeit “Zugvögel” dokumentiert Yvonne Seidel das Leben von Rentnern aus ganz Europa, die auf einem Campingplatz im nördlichen Afrika die Wintermonate verbringen. Land und Leute interessieren diese modernen Nomaden weniger, sie kommen der Sonne wegen und bleiben ihren heimatlichen Lebensgewohnheiten treu. In Einzelbildern und in vier Tableaus entwirft die Fotografin ein Panorama dieser Lebenswelt.

Tobias Zielony wurde 1973 in Wuppertal geboren. Er studierte Fotografie an der University of Wales in Newport und an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Er lebt in Berlin. Tobias Zielonys Arbeit “Big Sexyland” greift den Namen eines 24-Stunden Pornokinos auf. Das Kino und der angrenzende Park dienen als Aufenthaltsort für junge Männer aus meist mittel- und osteuropäischen Ländern, die hier als Prostituierte arbeiten. Zielony fotografierte diese Männer am Rande der Gesellschaft mit einer Infrarotkamera, deren Blitz für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar ist und so die Fotografierten nicht ablenkt. Dieser „diskrete“ Blick hält das schattenhafte Dasein der männlichen Prostituierten in eindrücklichen Bildern, deren Ästhetik an Polizeifotos erinnert, fest.

Das Symposium zum Thema Still – Moving. Foto Film Video beschäftigt sich mit den Merkmalen von statischen und bewegtem Bild. Fotografie sowie Film und Video sind heute als künstlerische Sprachen eng miteinander verwoben, die Beschäftigung mit dem bewegten Bild und mit fotografischen Arbeiten läuft häufig synchron, so dass in diesen Fällen eine mediale Differenzierung obsolet scheint. Das Symposium wird Gemeinsamkeiten und Differenzen von statischem und bewegtem Bild diskutieren und besonders die Verschmelzung innerhalb künstlerischer Ansätze auf unterschiedlichen Ebenen durch Filmvorführungen, Diskussionen und Vorträge näher beleuchten.