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Die Summe aller Teile – Podcast

Ulrich Wüst im Gespräch mit Thomas Seelig

Anlässlich der Ausstellung Stadtbilder / Spätsommer/ Randlagen gab der Fotograf Ulrich Wüst im Gespräch mit dem Kurator Thomas Seelig Einblicke in seine Arbeit, persönliche Erfahrungen und Ansichten.

 

Hier gibt es das Gespräch zum Nachhören:


Ulrich Wüst ist ein kühler Beobachter seiner Zeit, der sich an den gesellschaftlichen und politischen Gegensätzen der DDR reibt. Kleine Absurditäten des Alltags stehen in deutlichem Widerspruch zur kollektiven Betonung des öffentlichen Lebens als wichtigen Teil der sozialistischen Ideologie. Der Fotograf kompiliert in über längere Zeiträume entwickelten Bildserien die Abwesenheit einer Bürgergesellschaft in der DDR und erforscht so das kollektive Gefühl der Privatheit – bis hin zur inhaltlichen Leere und Sinnlosigkeit. Das Spezifische an seinen Bildern ist die Dialektik zwischen vermeintlicher Objektivität und subjektiv-subversiver Detailgenauigkeit.

Vom Stadtplaner zum freien Fotografen – wie entwickelte sich der berufliche Werdegang von Ulrich Wüst? Wie gestaltete sich die künstlerische Praxis in einem autoritären Staat? Welche Grenzen hat Ulrich Wüst zwischen offizieller und inoffizieller Kultur ausgelotet? Wie bildete sich das besondere Format des Leporellos für die Präsentation seiner Werke heraus? Gibt es inhaltliche und formale Bezüge zu internationalen Fotografen? Im Dialog mit Thomas Seelig, Direktor vom Fotomuseum Winterhur, gewährt Ulrich Wüst Einblicke in die Produktion, Konzeption und Rezeption seiner Arbeiten – zwischen privat und öffentlich, Ost und West, freier Kunst und staatlicher Zensur.

Erstmals in Berlin präsentiert C/O Berlin 80 zum Teil nie ausgestellte Fotografien und Original-Leporellos aus den drei Serien „Stadtbilder“,  „Spätsommer“ und „Randlagen“ von Ulrich Wüst. Die Ausstellung wurde von Felix Hoffmann und Katia Reich kuratiert Zur Ausstellung erscheint im Kehrer Verlag das Faksimile des handgefertigten Leporellos „Später Sommer / Früher Herbst“ von 1989.

Ulrich Wüst, geboren 1949 in Magdeburg, studiert von 1967 bis 1972 an der Hochschule für Architektur und Bauwesen in Weimar. 1972 zieht er nach Ost-Berlin, wo er bis 1977 als Stadtplaner und bis 1983 als Bildredakteur tätig ist. Als freischaffender Fotograf arbeitet er seit 1984. Mitte der 1980er gehört er zu den wichtigsten Fotografen in der DDR. Ulrich Wüst hat unter anderem im Fotomuseum Winterthur, in der Berlinischen Galerie, im Neuen Museum Weimar, im Leonhardi-Museum in Dresden und im Los Angeles County Museum of Art ausgestellt. Seine Arbeiten befinden sich in Sammlungen der Berlinischen Galerie, der Deutschen Genossenschaftsbank, der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages, der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz, des Kupferstich-Kabinetts Berlin, und der Staatsgalerie Stuttgart. Ulrich Wüst lebt und arbeitet in Berlin und Schönhof / Mecklenburg.

Ort C/O Berlin . Amerika Haus . Hardenbergstraße 22-24 . 10623 Berlin