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DIE AUSGEBÜRGERTEN feat. Esra Rotthoff

Projektpräsentation

C/O Berlin präsentiert am Freitag, den 28.04., und am Samstag, den 29.04., die Ergebnisse des Workshops DIE AUSGEBÜRGERTEN feat. Esra Rotthoff. Die Arbeiten sind im Education Unit in der Hardenbergstr. 19 von 18:00–21:00 Uhr (Freitag) und 12:00–17:00 Uhr (Samstag) zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Der Titel DIE AUSGEBÜRGERTEN ist sperrig und umständlich. Die Erfahrungen, dass ein anderes Land hinter Ihnen liegt, teilen zehn Neuberliner in der Perspectives Reihe von C/O Berlin. Die Ausbürgerung erfolgt, so Duden, wenn Jemand [gegen seinen Willen] die Staatsangehörigkeit aberkannt oder entzogen bekommt. Mit den Mitteln der Fotografie machen die Teilnehmer nicht nur eine Rückschau auf diesen Prozess, im wahrsten Sinne des Wortes schauen sie nach vorne, hinter und vor der Kamera.

Es geht um den Blick selbst, nicht um Schönheit im klassischen Sinne, sondern um Ästhetik, die durch Offenheit entsteht. Das gemeinsame kreative Entwickeln und zeitnahe Umsetzung der Konzepte, schafft nicht nur eine Brücke zu anderen Menschen, sondern auch zu sich selbst. Die Reflektion Über das eigene Dasein in einem produktiven Prozess lässt es zu, neue Einsichten über die eigene Perspektive zu erlangen. Die Teilnehmer starten mit unterschiedlichen Vorkenntnissen so wie Basheer (30), der schon immer mit seiner Kamera unterwegs ist oder die Biophysikstudentin Reem (22), die noch nie eine Kamera in der Hand hatte. Esra Rotthoff, die den Kurs leitet, versteht sich als Unterstützung, als positive Antreiberin der Prozesse, denn der Ablauf richtet sich nach den Teilnehmern, den Neuberliner aus Syrien und dem ehemaligen Jugoslawien. Sie sollen ihre Gestaltungsspielräume und Ressourcen neu wahrnehmen und nutzen.

Plakat
Die Sichtbarkeit von Schicksalen und Thematiken ist ein Problem unserer Zeit – wie gehen wir im Bild- und Informationschaos nicht unter? Das Plakatieren als kulturelle Praxis der Werbung, von politischen Botschaften und der Popkultur eröffnet den erstellten Portraits einen grenzenlosen Raum. Gemeinsam, in persönlichen Standpunkten, treten die Teilnehmer an die Öffentlichkeit. Es ist eine Sichtbarmachung von persönlichen Ist-Zuständen, physisch wie psychisch. Wichtig ist dabei der Prozess der Ideen, das Ausdrücken von einem Gefühl, einem Statement – die Fotografien sind nur das Beweismittel. Visuell halten DIE AUSGEBÜRGERTEN nicht nur ihre rechte sondern auch die linke Wange hin, tragen ihre eigene Handschrift auf der Stirn, den Lippen und der Nase. Sie wollen nicht nur gesehen werden, sie fordern die Aufmerksamkeit eines Betrachters und Lesers.

Stillleben
Im Stillleben findet die künstlerische Umsetzung des Affiche seinen Konterpart. Der visuelle Memorystick dieser Bilder ist geprägt von der kulturellen Gemischtheit, dem anderen Blick auf Symbole und Dinge und die unterschiedliche emotionale Verknüpfung. Anknüpfend an die lange Kunsttradition der symbolischen Bildsprache werden arabische Bräuche und ihre Symboliken für Hochzeit oder Liebe zur Poesie gemischt mit Armbändern, einer Jasminpflanze oder einer Gabel voll Honig. Hamdi (30) war es wichtig die Taschenlampe, die ihn auf seiner Flucht bis nach Berlin stets begleitete und eines seiner Armbänder, die er in Damaskus schon immer trug, mit einzubinden. Die Bilder sind aber auch ein Ergebnis handfester Argumente. Jedes Requisit darf nur einmal verwendet werden, es muss sich also mitgeteilt werden welche Erinnerungen an dem Objekt hängen, um es verwenden zu können. Damit teilt Esra Rotthoff ihre Ausdruckskraft mit der Gruppe.

Esra Rotthoff, geboren 1981 in Berlin, studierte an der Universität der Künste Berlin wo sie auch den Abschluss des Meisterschülers erlangte. Auf ihrem bisherigen Weg stellte sie international in zahlreichen Gruppen- und Solo-Ausstellungen aus und verfolgt in Künstlerkooperationen einen ständigen Austausch. Seit Beginn der Intendanz Shermin Langhoff kollaboriert sie mit dem Maxim Gorki Theater. Die intensive Zeit mit dem dortigen Exil Ensemble hat Esra Rotthoff geprägt. DIE AUSGEBÜRGTERN sind eine konsequente Weiterführung dieser künstlerischen Reflexion.