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Das letzte Bild

Fotografie und Tod

Leben, Sterben, Lieben und Loslassen – Bilder, Filme, Bücher oder Musik, die sich mit dem Tod beschäftigen, rühren an unseren größten Ängsten. Sie konfrontieren uns mit der Endlichkeit des Seins und unserer Vergänglichkeit. Das Foto bedeutet den Tod des dargestellten und unwiederbringlichen Moments. Berühmte Foto- und Medientheoretiker, wie Siegfried Krakauer, Roland Barthes und Susan Sontag – sie alle beschreiben in ihren Schriften das „Schicksal der Fotografie“ und ihr unabdingbares Bündnis mit dem Tod. Unmittelbar mit der Erfindung der Fotografie entstehen nach 1839 zahlreiche Aufnahmen von Verstorbenen – bisweilen aus kriminologischen oder anderen objektivierenden Gründen – vor allem aber dienten die Totenbilder für Rituale des Gedenkens. Zwischen den 1850er- und den 1890er-Jahren waren Totenporträts in der breiten Bevölkerung besonders populär und galten bis in die späten 1920er-Jahre als beliebte Form der visuellen Erinnerung an den Verstorbenen.

Die Medialisierung des toten Körpers setzt mit den beiden Weltkriegen ab 1914 verstärkt ein. Einen Zenit erreichen die Bildberichterstattungen mit der Öffnung der Konzentrationslager des NS-Regimes. Erstmals werden das Grauen und Morden mittels der Fotografie visuell belegt und verbreitet. Das LIFE Magazine, das seinerzeit weltweit zu den wichtigsten Medien zählt, berichtet nicht mehr distanziert von Krieg, Verfolgung, Leid und Tod, sondern zeigt schonungslos tote Körper. Margaret Bourke-White und George Rodger gingen mit ihren frühen Fotoreportagen über Buchenwald und Bergen-Belsen in die Fotogeschichte ein. Die Medialisierung des Todes formuliert die grundsätzliche Frage nach dem Verhältnis von Schock und Fotografie. Unvergessen sind auch die Bilder in Christian Boltanskis Installation Reserve: Die toten Schweizer (1990) – Passfotos, Schnappschüsse und Todesanzeigen aus schweizerischen Tageszeitungen oder die erschreckenden Aufnahmen von AIDS-erkrankten Menschen von David Wojnarowicz’ (1989) zur Zeit der AIDS-Epidemie der 1980er-Jahre oder Annie Leibovitz’ Fotografien vom Tod und Beerdigung ihrer Freundin Susan Sontag (2004) sowie Sophie Calles Dokumentation vom Tod ihrer Mutter (2007). Während Lucinda Devlin in ihrer Fotoserie The Omega Suites (1991) US-amerikanische Hinrichtungszellen klinische, aseptisch reine und kühle Orte des Todes zeigt, ästhetisiert der japanische Fotograf Izima Kaoru mit seinen Landscapes with a Corpse den Tod seiner weiblichen Modelle und verstorbenen Opfer nahezu in perfekter Schönheit. Der Tod wird so auf vielfältige Weise behandelt und findet eine sowohl beklemmende als auch poetische Sprache in der Fotografie.

C/O Berlin präsentiert mit der Ausstellung Das letzte Bild . Fotografie und Tod eine einmalige Zusammenstellung von historischen Fotografien aus dem 19. Jahrhundert bis heute und beschäftigt sich mit der Entwicklung sowie künstlerischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen, medialen und sozialen Fragen um das Thema Tod in der Fotografie und ihrer Theoriebildung. Die Ausstellung wird ermöglicht durch die großzügige Unterstützung des Hauptstadtkulturfonds.