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Back to the Future

The 19th Century in the 21st Century

Ob erste Ansichten der Mondoberfläche als Fotogravüre, frühe Vervielfältigungen von Pflanzenstudien als blaue Cyanotypien oder erste Porträtdarstellungen von Menschen als Woodburytypie – all diese Techniken tauchen aktuell in der zeitgenössischen Fotografie wieder auf.

Seit der Digitalisierung ist in den letzten Jahren vermehrt ein Hinwenden zeitgenössischer Künstler zu traditionellen Techniken fotografischer Verfahren des 19. Jahrhunderts zu beobachten. Polaroid, Filmstreifen, Cyanotypie, Fotogramm, Kalotypie, Woodburytypie oder Fotogravüre – teilweise hochkomplexe handwerkliche Techniken werden wieder aufgegriffen, neu interpretiert und kombiniert. In einer entmaterialisierten und beschleunigten visuellen Welt entwickeln sich andere künstlerische Ergebnisse, die dazu in spannungsreichem Kontrast stehen. Hier das digitale Bild, welches in Sekundenschnelle geknipst und geteilt werden kann, deren Pixel durch zahlreiche Bildbearbeitungstechniken beliebig verändert werden können – und dort das aufwendig hergestellte, handwerkliche Unikat, das gerade durch seine Materialität und in seinem Originalcharakter besticht. Durch die Vielzahl an experimentellen Herstellungsprozessen sind die künstlerischen Arbeiten gleichzeitig traditionell und höchst zeitgenössisch. Sie erlauben dadurch die spielerische Hinterfragung und Erweiterung der Grenzen des Fotografischen.

Die Gruppenausstellung Back to the Future . The 19th Century in the 21st Century bei C/O Berlin zeigt neben ausgewählten Exponaten aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert aus öffentlichen und privaten Sammlungen und vereint erstmals historische Arbeiten wie ebenso viele zeitgenössische. Sie wird in Zusammenarbeit mit dem Fotografiemuseum Amsterdam (foam) recherchiert, entwickelt und kuratiert. Materialität, Zeitlichkeit, Rückbesinnung und Zukunft sind somit Themen der Ausstellung und bilden ein komplexes Feld für die aktuelle Auseinandersetzung mit Fotografie.