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Snapshotness & New Color Photography

Vortrag und Film über Stephen Shores Fotografien

Anlässlich der Retrospektive von Stephen Shore führt der Kunstfilmer Ralph Goertz in das künstlerische Werk des amerikanischen Fotografen ein. Sein Vortrag zum Thema Snapshotness sowie die Präsentation seines Films Stephen Shore – New Color Photography finden ab 20 Uhr im Amerika Haus statt.

Wie kein anderer Fotograf versteht Stephen Shore es, einen gewünschten Bildstil von der verwendeten Kamera loszulösen und eine bestimmte Ästhetik zu imitieren. Seine berühmte Serie „American Surface“ hält seine Reisen durch die USA Anfang der 1970er Jahre fest. Sie ist ein visuelles Tagebuch, in dem sich jedoch keine spektakulären Panoramen, denkwürdige Orte oder Schlüsselmomente finden. Stattdessen fotografiert er alles in einem vorgeblich neutralen, emotionslosen und scheinbar anonymen Stil, der auf den ersten Blick Fehler oder Nachlässigkeiten des Fotografen aufweist. Jedoch stellt Stephen Shore mit dieser „snapshotness“ bewusst Verwendungsweisen und Modi des Mediums Fotografie und deren Art der Reflexion in Frage.

Für seine folgende Serie „Uncommon Places“ arbeitet er mit einer 8x10 Plattenkamera und verändert das Aussehen seiner „Schnappschuss“-Bilder subtil. Mit dieser Entscheidung bricht er mit den Konventionen seiner Zeit, in der sowohl Schwarzweiß-Fotografie als auch das 35mm-Format am beliebtesten waren. Stephen Shore reist weiterhin durch die Vereinigten Staaten und lässt sich von den gleichen Themen inspirieren wie bei „American Surfaces“, obwohl die Kamera selbst, die lange Belichtungszeiten und ein Stativ erfordert, allmählich seine Praxis verändert und zu größeren und komplexeren Kompositionen in der suburbanen Landschaft führt, in denen nun eine zuvor verborgene Virtuosität zutage tritt. Auch gilt bis in die 1970er Jahre Farbfotografie als werblich und vulgär – zumindest in der künstlerischen Fotografie. Stephen Shore verwendet Farbe als fotokünstlerisches Bildelement und in einer Art und Weise, wie sie in dieser Zeit unüblich war. Sein Impuls kommt damals einer Revolution gleich.

Im Vortrag und Dokumentarfilm gibt Ralph Goertz Einblicke in Stephen Shores Verständnis von Fotografie. Über zwei Jahre konnte der Kunstfilmer den Fotografen während des Aufbaus seiner Ausstellungen, in seinem Studio und während des Unterrichts seiner Fotografie-Klasse am Bard College begleiten.

Ralph Goertz studierte Theater-Film- und Fernsehwissenschaften an der Ruhr Universität Bochum sowie Kulturmanagement an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich/Luzern. Er arbeitet als Filmemacher und Kurator mit Schwerpunkt auf zeitgenössische Fotografie in Deutschland und Amerika seit den 1960er Jahren. Seit 2009 leitet er das IKS – Institut für Kunstdokumentation und Szenografie in Düsseldorf. 2014/15 kuratierte er die Ausstellung „Joel Meyerowitz Retrospective“ im NRW-Forum.

Uhrzeit Einlass ab 20 Uhr . Beginn 20.30 Uhr
Film Stephen Shore – New Color Photography von Ralph Goertz, 50 Minuten, 2014, englisch, produziert vom IKS – Institut für Kunstdokumentation
Ort C/O Berlin . Amerika Haus . Hardenbergstraße 22-24 . 10623 Berlin

Eintritt 5 Euro . Online-Ticket