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Arbeit am Mythos

Talents 30 . Luise Schröder / Hannah Peterson

Schwelbrand hat sich durch die Bilder gefressen, Wasserflecken sind sichtbar. Häuser, Fassaden, Straßen, Menschen und Landschaften überlagern und durchdringen sich, reissen ab und fügen sich neu zusammen. Es sind Fragmente fotografischer Dokumente der alten und neuen Stadt Dresden – ostentativ beschädigt, aus der Form gebracht und nur partiell entzifferbar. Welcher Gewalt wurden sie ausgesetzt? Und was ist der Grund für ihre Zerstörung? Luise Schröder begibt sich auf eine visuelle Spurensuche durch die aktuellen und historischen, kulturellen und politischen Schichten der Stadt. Sie arbeitet sich künstlerisch am Mythos Dresden zwischen Bombardierung 1945 und Jahrhundertflut im Jahr 2002 ab – seiner bildlichen Reproduktion sowie dessen Fortschreibung in die Gegenwart.

Der Umgang mit Dresden gleicht einem ideologischen Schlachtfeld, welches von unterschiedlichen Akteuren vereinnahmt und geformt wird. Dieses Schlachtfeld gibt Luise Schröder in ihrer Serie präzise und verstörend wieder und hinterfragt so die permanenten, fluiden Re-Konstruktionsversuche eines kollektiven Gedenkens. Neben den sieben Bildern der Serie präsentiert Luise Schröder in einer Videoinstallation als zweiten, gleichwertig signifikanten Teil der Arbeit den Vorgang der Zerstörung.

Luise Schröder, geboren 1982 in Potsdam, studierte künstlerische Fotografie sowie Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Sie war an Ausstellungen und Projekten in Sofia, Istanbul, Litauen, Washington, Japan und Murmansk beteiligt und stellte 2012 bei der 7. Berlin Biennale in den Kunstwerken zusammen mit Anna Baranowski aus. Ausgezeichnet wurde sie unter anderem als Preisträgerin bei gute aussichten 2011/12 new german photography, bei der BM Mediale 2009 und 2004 beim Deutschen Jugendfotopreis. Luise Schröder lebt und arbeitet in Leipzig.

Hannah Petersohn, geboren 1982 in Berlin, studierte Philosophie, Kulturwissenschaften und Germanistische Linguistik an der Humboldt Universität Berlin und der Sorbonne in Paris. Sie arbeitete als freie Journalistin für das Magazin DER SPIEGEL, das ZDF, den RBB, die Deutsche Welle und die Freie Presse. Daneben assistierte sie dem Künstler Olaf Nicolai. In ihrer Magisterarbeit untersucht sie den Einfluss von Walter Benjamins Schriften auf die Konzepte und Realisationen der Inszenierten Fotografie Jeff Walls. Seit 2012 macht sie eine Ausbildung zur Redakteurin. Hannah Petersohn lebt und arbeitet in Berlin.